Drei Jahre nach der russischen Invasion tobt der Krieg in der Ukraine weiter.

Die humanitären Bedarfe sind nach wie vor immens: Die ukrainische Zivilbevölkerung ist durch den Krieg von Vertreibung betroffen. Die Menschen haben Schwierigkeiten, Zugang zu Bildung, wirtschaftlichen Möglichkeiten und Gesundheitsversorgung zu erhalten. Während viele von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, werden Frauen zunehmend diskriminiert.

Mehr als 12,7 Millionen Menschen im Land benötigen 2025 humanitäre Hilfe. Bis Oktober 2024 forderte der Konflikt fast 39.000 zivile Opfer – davon über 12.000 Todesfälle.

Die Finanzierung der humanitären Hilfspläne für die Ukraine nimmt jedoch ab. Strenge Zugangsbeschränkungen behindern Hilfsorganisationen dabei, lebenswichtige Hilfe für Menschen außerhalb der von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiete zu leisten.

Erfahre mehr über die Auswirkungen des Konflikts auf das Leben der ukrainischen Zivilbevölkerung.

Wann hat der Konflikt in der Ukraine begonnen?

Der Konflikt nahm 2014 seinen Anfang, als Russland die ukrainische Halbinsel Krim illegal annektierte und begann, pro-russische Separatist*innen in der Ostukraine zu unterstützen. Zu diesem Vorgehen gehörte auch Russlands Anerkennung der Separatistengebiete Luhansk und Donezk. Bei den Kampfhandlungen in den folgenden acht Jahren starben über 3.000 Menschen und mehr als 850.000 wurden vertrieben. Infolgedessen waren fast 3 Millionen Ukrainer*innen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eine IRC-Klientin erklärt:

„Viele Menschen können seit mehr als zehn Jahren nicht mehr nach Hause zurückkehren, so auch ich und mein Kind. Die letzten zehn Jahre haben wir an fremden Orten verbracht, wir haben die Schule gewechselt, mussten umziehen.“

Durch die russischen Angriffe haben immer noch Millionen Menschen oft für lange Zeit keinen Zugang zu Heizung, Strom, Wasser oder Sanitäranlagen. IRC ist in den am stärksten betroffenen Regionen der Ukraine tätig und hilft den Menschen vor Ort. 

Eine Mutter und ihre erwachsene Tochter umarmen sich eng an einem Grenzübergang nahe der ukrainisch-polnischen Grenze.
Eine ukrainische Mutter und ihre Tochter treffen sich Anfang März 2022 am Grenzübergang Medyka in Polen.
Foto: Francesco Pistilli / IRC

Welche Auswirkungen hat der Krieg in der Ukraine auf die Zivilist*innen?

Die ukrainische Zivilbevölkerung ist stark von den Folgen des Krieges betroffen. In den vergangenen drei Jahren wurden fast 11 Millionen Ukrainer*innen vertrieben — viele Familien mehrfach. Etwa ein Drittel der Bevölkerung im Land benötigt humanitäre Hilfe. 

Für die meisten Ukrainer*innen bleibt die Rückkehr zu einem normalen Leben unvorstellbar. Raketenangriffe haben Schulen, Krankenhäuser und Wohnhäuser zerstört. Der Zugang zu lebenswichtiger Versorgung ist eingeschränkt, und viele müssen die kalten Wintermonate mit begrenzten Ressourcen überleben.

Der humanitäre Bedarf in der Ukraine ist riesig

Mehr als 12,7 Millionen Binnenvertriebene werden im Jahr 2025 voraussichtlich humanitäre Hilfe benötigen.

Fast 90 Prozent der Familien in den umkämpften Gebieten sind von psychischen Problemen betroffen. Besonders gefährdet sind Kinder – 1,5 Millionen von ihnen könnten eine posttraumatische Belastungsstörung oder andere psychische Erkrankungen entwickeln. Der Krieg hat soziale Netzwerke zerschlagen und somit verheerende Folgen für die Menschen vor Ort.

Laut einer IRC-Umfrage berichteten 74 Prozent unserer Klient*innen, dass sie aufgrund des Konflikts gewaltsam von ihren Angehörigen getrennt wurden. 82 Prozent gaben an, in den letzten Monaten Gefühle wie Angst, Stress oder Traurigkeit erlebt zu haben. Diese Zahlen verdeutlichen, welche emotionalen Auswirkungen der Krieg auf die Menschen hat. Sie zeigen, wie dringend die Betroffenen unterstützt werden müssen.

Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges treiben die Bedarfe in die Höhe. Es fehlt den Menschen an finanziellen Mitteln, um Brennholz, feste Brennstoffe und warme Kleidung zu kaufen. Für viele wird es immer schwieriger, ihre Familien zu ernähren.

Mit jedem weiteren Jahr des Konflikts verschlimmert sich die Lage der Bevölkerung. Viele Ukrainer*innen sind nach über zehn Jahren des Krieges erschöpft.

Lerne Ukrainer*innen kennen, die vom Krieg betroffen sind.

Ein IRC-Mitarbeiter kümmert sich um die medizinische Betreuung eines älteren Mannes.
Dr. Oleg (links) leitet das mobile Gesundheitsteam von IRC in Charkiw. Das Team leistet medizinische Unterstützung in konfliktbetroffenen Regionen, in denen die ukrainische Zivilbevölkerung keinen Zugang mehr zu medizinischen Einrichtungen hat.
Foto: Oleksandr Rupeta / IRC

Angriffe auf die zivile Infrastruktur

Während des anhaltenden Konflikts in der Ukraine gerieten Schulen unter Beschuss und wurden teilweise als Militärlager besetzt. Seit Februar 2022 wurden rund 3600 Angriffe auf Bildungseinrichtungen und über 2000 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen registriert. Das Humanitäre Völkerrecht verbietet Angriffe auf die Zivilbevölkerung oder zivile Infrastrukturen wie Krankenhäuser.

Über 2 Millionen Häuser wurden zerstört und mehr als 39.000 Zivilist*innen verletzt. Mehr als 12.000 wurden getötet. Diese Zahlen sind wahrscheinlich noch höher als angegeben, da die Gebiete, die aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen nicht zugänglich sind, nicht erfasst werden konnten.

Trotz wiederholter Aufrufe der internationalen Gemeinschaft, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und die Zivilbevölkerung sowie zivile Infrastruktur zu schützen, spüren die Menschen in der Ukraine weiterhin die Folgen dieses Kriegs. Tamara und Anatolii, ein Paar aus Pokrowsk, erzählen von ihrer Erfahrung:

„Wir versteckten uns in einem Keller, wenn die Stadt unter Beschuss stand. Das war unser einziger Schutz. Manchmal lagen wir auf dem Boden, hielten den Atem an und warteten darauf, dass die Luftangriffe aufhörten. Erst dann riefen wir unsere Liebsten an und fragten: ‚Lebst du noch?‘ Die Angst war unerträglich. Wir versuchten durchzuhalten, ohne Gas, kaum Wasser und den ohrenbetäubenden Explosionen jede Nacht war ein Überleben nicht mehr möglich. Irgendwann ging es nicht mehr. Also verließen wir die Stadt und hofften, woanders endlich wieder schlafen zu können.“

Ein Mann mittleren Alters geht durch die Ruinen eines zerstörten Gebäudes.
Andriy steht inmitten der Ruinen einer Schule in Vasylenkove. Auch das Krankenhaus des Ortes wurde durch den Krieg zerstört.
Foto: Oleksandr Rupeta / IRC

Welche Auswirkungen hat der Krieg auf die Infrastruktur und Wirtschaft der Ukraine?

Der Krieg hat die Wohnungs-, Verkehrs-, Energie-, Handels- und Industriesektoren der Ukraine stark geschädigt. 

Nach Angaben der Weltbank verzeichnete die Ukraine im Jahr 2014, zu Beginn des Konflikts, einen Rückgang des BIP um 10 Prozent. Mit der Invasion Russlands im Jahr 2022 sank das BIP der Ukraine dann um fast ein Drittel.

Trotz einiger positiver Anzeichen einer wirtschaftlichen Verbesserung, beeinträchtigt der Konflikt wichtige Sektoren wie die Landwirtschaft weiterhin stark. Etwa 30 Prozent der Ukraine, eine Fläche so groß wie Tunesien, sind vermint. Die Räumung könnte mehr als 750 Jahre dauern. 

In den letzten drei Jahren wurden fast 25.000 Menschen durch Minen und explosive Kriegsreste verletzt.

Wie hilft IRC in der Ukraine?

Im Februar 2022, nach der Invasion Russlands, hat IRC in der Ukraine Nothilfemaßnahmen eingeleitet. IRC arbeitet direkt mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um Gemeinden in den vom Konflikt betroffenen Gebieten im Osten und Südosten der Ukraine zu erreichen

Seit Beginn der Eskalation bis Januar 2025 haben mobile Gesundheitsteams von IRC über 100.000 Beratungen für mehr als 15.000 Menschen durchgeführt. Mehr als 100 Gesundheitseinrichtungen wurden mit Medikamenten und wichtigen Hilfsgütern ausgestattet.

Zusammen mit lokalen Partnern hat IRC fast 130.000 Menschen finanziell unterstützt und lebenswichtige Güter an über 30.000 Personen verteilt. Zudem haben 60.000 Frauen und Mädchen wichtige Hilfsangebote erhalten. Für Kinder wurden 30.000 Sitzungen organisiert, um ihnen zu helfen, ein Stück Kindheit zurückzugewinnen und die Folgen des Krieges zu verarbeiten.

Wir reagieren auf die unmittelbaren und langfristigen Bedarfe der Menschen.

Erfahre mehr über die Krisenhilfe von IRC in der Ukraine.

Eine Mutter und eine Tochter lächeln, während sie für ein Foto vor einem Raum voller leerer Gaskanister posieren, die gefüllt und an bedürftige Ukrainer verteilt werden sollen.
Denis und ihre Mutter Kateryna stehen vor leeren Gasflaschen, die IRC zusammen mit Bargeld an die Menschen in Kherson verteilt hatte. Diese Lagerhalle wurde später bombardiert und vollständig zerstört.
Foto: Tamara Kiptenko / IRC

Wie kann ich den Menschen in der Ukraine helfen?

Fast drei Jahre nach der russischen Invasion und zehn Jahre nach Beginn des Konflikts ist es wichtig, die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen weiterhin zu unterstützen. Es müssen sowohl die Menschen innerhalb der Ukraine als auch diejenigen Hilfe erhalten, die in die Nachbarstaaten geflohen sind.

Unterstütze IRC mit einer Spende, um unsere humanitäre Arbeit in der Ukraine und auf der ganzen Welt zu ermöglichen.